Samstag, 7. November 2009

Der Zwang zum Nichts

Gleich mal vorweg: In meinem Klassenzimmer hat nie ein Kreuz gehangen. Da hing Marx, Lenin oder temporär Verwandtes, was später in irgendeinem Lager verschwand. Daran waren die Lehrpläne ausgerichtet, die Lieder, die wir zu singen hatten, die Bücher, die wir kennen durften, die Ideologien, denen man zu folgen hatte und - das vor allem - welchen nicht.

Heutzutage hängt man vor allem Kreuze ab und macht den Blick frei auf die kahle Wand. Und ginge es dabei tatsächlich um Meinungsfreiheit im Sinne von Freiheit, könnte man diesem Rückzug vielleicht noch etwas abgewinnen. Aber der Platz an der Wand bleibt nur rein optisch frei. Da hängt nicht Nichts, sondern da hängt der Zwang zum Nichts. Jeder konkret entgegengestellte Wert, ist dazu verurteilt, am Nichts zu scheitern.

Wer das nicht glauben kann, soll mal - und sei es nur zu Testzwecken - versuchen, in Deutschland Christ zu sein. Ich meine, wirklich Christ zu sein. Nicht der nette "das muss man im Kontext der Zeit sehen"-Christ. Der soll mal versuchen, öffentlich biblische Positionen z.B. zum Lebensschutz zu vertreten. Da ist schnell Ende Gelände. Warum das niemand mehr groß auffällt? Weil die paar Christen schon längst in der verschwindenden Minderheit sind, die niemand mehr stört. Man fragt sich dann allerdings, welcher Feind hier mit dem Kreuzurteil eigentlich wirklich gejagt wird.

Samstag, 3. Oktober 2009

Es war nicht alles schlecht

Nein, es war nicht alles schlecht in der DDR. Die Überwachung funktionierte besser als bei Schäuble, die Auswahlverfahren für den Zugang zu Bildung und Information übertrafen jede heutige Milieugrenze um Welten. Mangel gab's reichlich und die politische Agitation ist sogar so weit perfektioniert worden, dass sie auch heute noch problemlos zweistellige Wahlergebnisse produzieren kann. Das beeindruckt. Da vergisst man schon mal das eine oder andere Detail im historischen Gedächtnis. Mauertote? Internierungslager? Bautzen? Sta-wer? Das Leben geht weiter. Heute ist "Hartz IV Armut per Gesetz". Die ultimative Nebelkerze.

Aus lauter Respekt vor den so geweckten Gefühlen der Ostdeutschen mit ihrem außerordentlich gewöhnlichen Wahlverhalten zementiert sich die SED-Elite unzerstör- und fast unhörbar ins westliche Staatssystem ein. Das heißt dann: Mut im Kampf gegen Rechts. (1) Und wieder rückt die Parteienlandschaft eins weiter auf die Linke zu. Das ist die perfekte Fortführung des Klassenkampfes mit rechtsstaatlichen Mitteln. Wohin sich der Rechtsstaat dabei allerdings bewegen wird, ist ebenso offen wie die Frage, wie oft es nach einem kommunistischen Wahlsieg wieder demokratische Wahlen geben wird.

(1) Und bevor irgendwer mich hier missverstehen will: Ja, da gibt es Handlungsbedarf. Aber neben dem Lagerfeuer könnte man sich ja auch mal um den Großbrand kümmern.

Donnerstag, 24. September 2009

A Message From Eric Clayton

Ich habe es gestern Abend schon getwittert: es gibt ein neues Lebenszeichen von Eric Clayton - wobei das wohl fast das falsche Wort dafür ist.

Ich weiß nicht, ob ich ohne Saviour Machine heute Christ wäre, ob mich damals in meiner Darkwave-Welt irgendeine andere Stimme hätte erreichen und motivieren können, (wieder) die Bibel zu lesen und zu Gott zurückzufinden. Mein ganzes Leben hat sich damit verändert. Und ich bin dafür auch heute noch unendlich dankbar. Um so mehr schmerzt es, dieses Leid zu sehen.

God bless you.



Sonntag, 20. September 2009

Die Verlierer der US-Außenpolitik

"Nun lässt Obama die im Regen stehen, die auf ein enges Bündnis mit den USA gesetzt hatten. (...)

Polen und Tschechien haben sich beim Irakkrieg auf Seiten der USA gestellt und Truppen entsandt, nicht, weil sie vom Krieg sonderlich überzeugt waren, sondern weil sie die USA als strategischen Partner gewinnen wollten. Nun erleben sie, dass Dankbarkeit keine politische Kategorie ist. In Zukunft wird es Washington schwerer fallen, andere Staaten dazu zu bewegen, politisches Kapital in Washington zu investieren in der Hoffnung auf strategischen Gewinn in der Zukunft. (...)

Politisch (...) geht Obama damit ein erhebliches Wagnis ein. Er verprellt langjährige treue Verbündete, ohne dafür von Moskau eine Gegenleistung zu bekommen.

Das ist der Schwachpunkt von Obamas 'weicherer' Außenpolitik: Sie hat bisher noch keinerlei Ergebnisse gezeitigt. Weder Nordkorea noch Iran haben Obamas ausgestreckte Hand bisher ergriffen.

Moskau hat bisher in keiner der wichtigen Fragen Entgegenkommen gezeigt und will weiter nichts von mehr Druck auf Teheran wissen. Und die europäischen Verbündeten sehen zwar mit Wohlwollen, dass Obama sie intensiver konsultiert, selbstkritik übt und die Europäer in Entscheidungen einbindet. Mehr Verantwortung wollen sie dafür aber nicht übernehmen (...).

Irgendwann wird Obama den Amerikanern aber belegen müssen, dass er mit seinem Kuschelkurs nicht nur für gute Stimmung sorgt, sondern auch Ergebnisse erzielt."

Mittwoch, 16. September 2009

Deutschlehrer

Bin ja irgendwie die letzten Wochen fast nur noch bei Twitter, aber DAS MUSS gebloggt werden. Habe mich gerade 5 min vor Lachen gekringelt:



via Das Gespräch

Dienstag, 15. September 2009

Erkenntnisfähigkeit in 10 Dimensionen

Gut gemachte Visualisierung

"Sie verwechseln Barbarei mit Kultur"

"Mit entwaffnender Biederkeit blicken die Unterzeichner des Manifests [zum Abzug aus Afghanistan] in die Kameras des Freitag.

Die Militärs sollen abziehen, und die NGOs sollen ihr friedliebendes Werk tun, fordern sie. Sie wissen natürlich, dass die NGOs nur dann arbeiten können, wenn die Soldaten auch da sind. In Wirklichkeit rufen sie einfach dazu auf, die Menschen in Afghanistan – an erster Stelle die Mädchen und Frauen – den Steinen der Taliban zu überlassen. Sie verwechseln Barbarei mit Kultur.

Dankbar muss man dem Aufruf auch sein, weil er zeigt, dass genau jene Kräfte, die in anderen Diskussionszusammenhängen aufgeregt davor warnen, Islam und Islamismus ineinszusetzen, diese Identität propagieren, wenn es dem Defaitismus dient."

Freitag, 28. August 2009

Wir beten alle etwas an

Auszug aus einem Interview mit David Foster Wallace


"... dass wir alle irgendetwas anbeten, dass wir alle irgendwie diesen religiösen Impuls in uns tragen; bis zu einem gewissen Grad können wir wählen, was wir anbeten, aber es ist doch ein Irrglaube anzunehmen, wir seien nur uns selbst verpflichtet. Wir geben uns immer einer Sache hin - sei es dem Genuss oder einer Droge oder dem Wunsch, viel Geld zu verdienen, uns schöne Dinge leisten zu können..."


Hier der gesamte Mittschnitt



via theoblog

Donnerstag, 20. August 2009

Was soll der geschundene Körper machen, wenn er von einem 'ernährungsbewussten' Menschen bewohnt wird?

Ich habe Manfred Lütz schon mit einigem Schmunzeln, breitem Grinsen und heftigem Kopfnicken gelesen; hier ein nicht minder interessantes Menü - wenn man über die christliche Geschmacksrichtung auch anderer Meinung sein mag:



"Essen ist in Wirklichkeit nur dann 'gesund', wenn es frei ist von Bandwurmeiern, von pathogenen Keimen, von Glasscherben oder problematischen Inhaltsstoffen, egal ob Rattengift oder Tollkirschen. Essen macht nicht gesund oder schön oder schlank, sondern satt. Ist es anständig zubereitet, macht es auch noch Freude. Denn so belohnt der Körper das, was ihm gut tut. In der christlichen Religion ist das nicht so, da heißt es Askese, Verzicht und Kasteiung: Der Geist sei zwar willig, doch das Fleisch wäre schwach. Ich aber sage den Gesundheitspäpsten: Euer Geist ist schwach, doch der Fleischsalat ist schmackhaft.

(...)

Geben Sie mal ein Beispiel.

Die moderne Mutter reicht die Kartoffel häufig mit Schale – das spart Arbeit und entlastet die Biotonne. Das Problem ist, dass die Kartoffel ein Nachtschattengewächs ist und in den Schalen Glykoalkaloide anreichert, um sich vor Fraßfeinden zu schützen. Das sind vor allem Solanin und Chaconin. Beide Stoffe sind für Kinder toxisch. Die Giftigkeit ist vergleichbar mit Strychnin, die Wirkung mit E 605. So kommt es immer wieder zu Vergiftungen und hin und wieder auch zu Todesfällen. Wenn Sie das irgendwo ansprechen, wird fleißig fabuliert: In der Schale seien wertvolle Vitamine, vermutlich weil alles, was beschissen schmeckt, ja gesund sein muss. Da auch die Ärzte die Vergiftungssymptome nicht kennen, sind Fehldiagnosen die Regel. Wer seinen Kids Kartoffeln mit Schale verfüttert, braucht sich über Rückstände in seiner Nahrung nicht mehr aufzuregen – kein Pflanzenschutzmittelrest kann der Giftfracht der Kartoffelschale das Wasser reichen! Vor allem die Kolleginnen in den Ernährungs- und Gesundheitsressorts weigern sich standhaft, hier vernünftige Infos zu geben. Begründung: 'Das habe ich jetzt gerade meiner kleinen Tochter angewöhnt, nun kommen Sie mit Ihren blöden Theorien!'

Deshalb wurde die Kartoffel früher immer geschält?

Ja. Da sind ja keine Vitamine drin, das ist chemisch betrachtet simpler Kork. Sie könnten mit der gleichen Logik fordern, beim Glas Wein immer vom Korken abzubeißen – wegen der Vitamine. Der Körper erkennt die Gefahr übrigens ganz von allein. Stellen Sie ein Kind vor die Wahl, eine Pellkartoffel mit Quark und Butter oder eine Portion Pommes mit Ketchup zu essen, dann wählen sie die Pommes. Warum ist das so? Hier antwortet Ihnen der Laie, insbesondere die Ernährungsberaterin und der Arzt: 'Weil da mehr Fett drin ist.' Unsinn! Eine Portion Backofenfritten enthält viel weniger Fett als Quark, Butter und Pellkartoffel. Die Kinder wählen die Fritten, weil ihr Körper bereits gelernt hat: Pommes sind ungiftiger als Pellkartoffeln. Das Frittieren ist die einzige Methode, die natürlichen Giftstoffe der Kartoffel vollständig zu zerstören. Da Erwachsene das Zeug besser entgiften können, wählen sie eher Pellkartoffeln mit Quark – denn da ist mehr Fett drin."



via Achse; werde jetzt wohl der Gesundheitsreligion ein eigenes Label im Blog verpassen, da sich die Einträge mehren...

Montag, 17. August 2009

Mediale Wahrheit für den Konsumenten




"Mehr Arbeitsdruck und weniger Zeit für Recherche, zunehmende Abhängigkeit von Werbekunden und der Trend hin zu Unterhaltung – das sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Universität Münster zum Arbeitsalltag in den Redaktionen. (...) 'Mehr als die Hälfte der Journalisten gibt an, heute weniger Zeit für die Recherche zu haben als noch vor zehn oder 20 Jahren.' Dies deckt sich mit den Ergebnissen anderer Studien. (...) Ob Einschaltquote, Zeitungsauflage oder Klickzahlen – eine große Mehrheit von 83 Prozent der befragten Journalisten gibt an, dass sich diese ökonomischen Parameter 'ganz eindeutig oder zumindest teilweise' auf ihre journalistische Arbeit auswirken. (...) Weil verschärft in wirtschaftlichen Kategorien gedacht werde, gehe das Ethos einer unabhängigen Presse verloren (...). Unter dem wirtschaftlichen Druck werden journalistische Inhalte immer mehr bloß zu einem Umfeld für Werbekunden. 'Die Werbeindustrie braucht ein spannendes Umfeld, in dem sie ihre Werbung für Zuschauer gezielt schalten kann', so das Zitat eines Privatfernseh-Redakteurs. Das aber heißt in letzter Konsequenz (...) dass Inhalte für Werbekunden geschaffen werden und der Leser, Zuschauer oder Hörer vor allem als Konsument interessant ist. Fast die Hälfte der befragten Journalisten gibt dann auch an, es werde immer wichtiger, Werbekunden ein passendes redaktionelles Umfeld zu liefern.'"



Hier der Link zur Studie

Samstag, 15. August 2009

Am Wegesrand



Wieder mal die Zeit gefunden, die Familie zu schnappen und die Augen aufzumachen,



... und den GROßEN alten Baum mit den Augen (m)eines Kindes entdeckt.

Sonntag, 9. August 2009

Neues Studioalbum von "Transatlantic"

Da habe ich Schnarchnase doch tatsächlich verpasst, dass sich die Transatlantic'er seit April wieder zusammengefunden und für Jahresende ein neues Studioalbum geplant haben. Da weiß ich doch gleich, worauf ich mich freuen kann...

Und bis dahin gibts noch einen Ausschnitt aus "Duel with the devil"



Freitag, 31. Juli 2009

Veröffentlichung nicht publizierter Teile der Habilitation J. Ratzingers

"Die Veröffentlichung von Band 2 der Gesammelten Schriften Joseph Ratzingers steht bevor. Er wird vor allem auch den bisher unveröffentlichten ersten Teil seiner 1955 eingereichten Habilitationsschrift enthalten. Das gibt Anlass, nach den Hintergründen zu fragen, woran damals seine Habilitation beinahe gescheitert wäre. Weil die Aussagen der Gutachten bis heute nicht bekannt sind, wird viel über die Gründe für die Rückgabe der Erstfassung der Habilitation Joseph Ratzingers 1955 spekuliert..."

Montag, 27. Juli 2009

"Fröhliches Körnerkauen – bis zum letzten Biss"

"Hätten Weißbrot oder Schokolade nur einen Bruchteil der verheerenden Wirkungen von Rohkost zur Folge, gingen so lange Aufschreie der Empörung durch das Land, bis auch der letzte Bäcker auf Vollkorn umgestiegen und der letzte Süßwarenautomat abmontiert wäre.

Doch ganz egal, wie schockierend die wissenschaftlichen Ergebnisse und klinischen Erfahrungen rund um Rohkost ausfallen: Allen voran die DGE zeigt sich davon unbeeindruckt. Sie glaubt felsenfest daran, 'dass der regelmäßige Verzehr von Vollkornprodukten im Rahmen einer gesunden Ernährung eine gesundheitsfördende Wirkung besitzt.' (...) Zumindest in den Köpfen der deutschen Ernährungsexperten scheint die Vollwerternährung nach wie vor gut anzukommen. Wir wünschen weiterhin fröhliches Körnerkauen – bis zum letzten Biss!"

Mittwoch, 22. Juli 2009

Religion or Relationship



Ab Min 3 fallen ein paar Sätze, die man sich wohl besser öfter mal ins Gedächtnis rufen sollte...

Montag, 20. Juli 2009

Interview mit Gott

via theolounge gerade reingetwittert: Ein Interview mit Gott

Mittwoch, 15. Juli 2009

mickey mouse business

"Kein Schreibtisch ohne Rollkoffer"

Da fliege ich gerade flüchtig über einen Artikel zum Thema Open Access und finde diese einsichtige Schilderung der hohen Gelehrsamkeitspraktik:


"Während dieser Akademiker aber nun als Leser zustimmt, dass das bei aller weiterlebenden Hoffnung auf Geniestreiche und Neuentdeckungen alles ein bisschen viel geworden ist, ist er doch als Autor der Überzeugung, dass man in seinem ganz speziellen Fall eine Ausnahme machen müsse. Für ihn gilt nämlich, und dies zumal, wenn er am Anfang seiner akademischen Laufbahn steht: Es muss alles gedruckt werden. Er muss seine Publikationsliste anreichern, um im Kampf um Stellen und Drittmittel eine Chance zu haben. (...)
Dies lässt sich derzeit am leichtesten durch die Teilnahme am wuchernden Konferenzwesen erreichen. Dort kann man reisend Netzwerke knüpfen, und um dem Drittmittelgeber für seine freundliche Finanzierung der Tagung einen Erfolgsbeweis zu liefern, wird, komme, was da wolle, ein Tagungsband gedruckt, nur durch Zuschüsse zwar und in kleinster Auflage sowie meistens ohne nennenswerten redaktionellen Zusammenhang, aber eben doch mit dem Resultat, dass die Teilnehmer so ihre Veröffentlichungen vermehren und sich dann gegenseitig zu weiteren Tagungen einladen. Kein Schreibtisch ohne Rollkoffer."


Sehr schön.